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Mobbing

Mobbing im Unternehmen ist ein Problem, welches selten an die Öffentlichkeit kommt und daher erst in den letzten Jahren zu Rechtstreitigkeiten vor den Arbeitsgerichten führte.

Als Arbeitgeber ist es hierbei wichtig zu wissen, welche Maßnahmen man ergreifen muss, um Mobbing von Beginn an zu unterbinden. Aber ebenso entscheidend ist es, Maßnahmen zu ergreifen, wenn man über mögliche Mobbingopfer erfährt.

Aber auch betroffene Arbeitnehmer  können sich gegen Mobbing von Arbeitgebern und Arbeitskollegen wehren.

Was ist Mobbing?

Für den Begriff des Mobbing gibt es keine eindeutigen Definitionen. Dies liegt insbesondere daran, dass viele verschiedene Aktivitäten denkbar sind und jeder Betroffene Handlungen anders verstehen kann. So sind Späße von Kollegen über das Aussehen und die Kleidung für manche hinnehmbar, für andere kann es zu psychischen Problemen führen und damit unter den Begriff des Mobbing fallen. Eine grobe Richtung, was unter dem Begriff des Mobbing zu verstehen ist, lässt sich aus der Definition des Landesarbeitsgerichts (LAG) Thüringen herleiten (Urteil vom 10.04.2011 – Az.: 5 Sa 403/00).

Zusammengefasst versteht das LAG unter Mobbing Handlungen, durch die der unterlegene Betroffene über einen längeren Zeitraum angefeindet oder schikaniert wird. Dabei müssen die Handlungen rechtswidrig sein, also Grundrechte, wie das allgemeine Persönlichkeitsrecht oder die körperliche Integrität, verletzten.

Dass sich unter diese Definition sehr viele Handlungen verstehen lassen, liegt daran, dass wie oben gesagt, jeder eine Handlung anders aufnimmt. So kann das Anschreien durch den Arbeitgeber, Entzug der Arbeit, Beleidigungen wegen des Geschlechts oder der Hautfarbe oder körperliche und sexuelle Misshandlungen Mobbing sein. Auch die Verbreitung von Gerüchten kann als Mobbing angesehen werden.

Rechte der Betroffenen

Sind Sie als Arbeitnehmer der Meinung, von Arbeitskollegen oder Ihrem Arbeitgeber gemobbt zu werden, haben Sie verschiedene Möglichkeiten hiergegen vorzugehen. So ist es möglich, die Täter auf Unterlassen der verletzenden Handlungen zu verklagen oder gegen diese Strafanzeige, zum Beispiel wegen Beleidung oder Körperverletzung zu stellen.

Weiter haben Sie die Möglichkeit, den Arbeitgeber durch ein Gericht verpflichten zu lassen, gegen die Missstände vorzugehen. Welche Maßnahmen der Arbeitgeber sodann unternimmt, liegt bei ihm. Jedoch sollten diese zumindest so ausgewählt werden, dass eine Besserungschance besteht. Ihnen steht nach § 84 Absatz 1 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) ein Beschwerderecht gegenüber Ihrem Arbeitgeber zu. Dieser muss diese Beschwerde zur Kenntnis nehmen und auch darüber bescheiden.

Besteht in Ihrem Betrieb ein Betriebsrat, kann dieser auch ein wichtiger Ansprechpartner sein. Dieser hat nach § 85 Absatz 1 BetrVG die Beschwerden aufzunehmen und bei Begründetheit der Vorwürfe beim Arbeitgeber auf Besserung hinzuwirken.

Weitergehende Möglichkeiten des Arbeitnehmers bestehen darin, seine Arbeit einzustellen und zu verweigern. Haben Sie Ihren Arbeitgeber angezeigt, dass in seinem Betrieb unrechtmäßige Zustände herrschen und dieser keine Maßnahmen ergreift, können Sie Ihre Arbeitsleistung verweigern. Ihnen steht ein Zurückbehaltungsrecht zu, solange die Zustände andauern. Trotzdem können Sie nach § 615 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) weiterhin Lohnzahlung verlangen.

Als letztes Mittel können Sie zur außerordentlichen Kündigung greifen und Ihr Arbeitsverhältnis aufgrund der Missstände kündigen und vom Arbeitgeber Schadensersatz verlangen. Sind Sie aufgrund der Vorkommnisse krank und arbeitsunfähig geworden, können Sie oder Ihre Krankenkasse auch Schadensersatz von Ihrem Arbeitgeber verlangen.

Dieser besteht zum einen in den angefallenen Behandlungskosten. Zum anderen können Sie, wenn Sie nur Krankengeld erhalten, den Unterschied zu Ihrem normalen Einkommen vom Arbeitgeber fordern.

Möglichkeiten des Arbeitgebers

Für Sie als Arbeitgeber ist es entscheidend, dass Sie frühzeitig von eventuell auftretendem Mobbing unter Ihren Mitarbeitern erfahren. Hierzu ist es notwendig, offen für Beschwerden zu sein und diesen dann auch gewissenhaft nachzugehen. Auch ist ein Austausch mit einem eventuell bestehenden Betriebsrat über die Verhältnisse der Arbeitnehmer untereinander ein wichtiger Baustein. Um zu verhindern, dass Mobbing geschieht, ist es entscheidend, feststehende Regeln aufzustellen und Ihre Mitarbeiter gezielt zu schulen.

Erfahren Sie von Missständen unter Ihren Mitarbeitern, müssen Sie schnell und konsequent reagieren. Wie die Maßnahmen aussehen und ob sie Erfolg versprechen, muss in jeden Fall einzeln betrachtet werden. Maßnahmen können hier Gespräche mit den Beteiligten sein, Abmahnungen, Versetzungen oder im äußersten Fall die Kündigung des Täters.